Die Rebellion der Greise

In meiner Generation (89er Jahrgang) gibt es unzählige “Szenen”. Einige halten sich hartnäckig seit Jahrzehnten, andere sind relativ jung – und so manche verschwand um jetzt wieder aufzutauchen. Aber so richtig neu ist keine. Oft wird der “Ausverkauf” einer Szene bemängelt oder die Tatsache, dass die Szene eher eine Mode als eine Einstellung ist kritisiert.

Das ist nur natürlich. So unterschiedlich die Szenen auch waren, sie alle hatten die Rebellion, die Abspaltung vom Althergebrachtem als zentrales Thema.
Aber in den letzten Jahren wird einem die Rebellion in die Wiege gelegt.
Es gibt nichts mehr, von dem man sich abspalten kann wenn das Weltbild nurnoch aus Splittern besteht.
Es ist doch alles erlaubt, wer rebelliert denn noch gegen irgendwas mit langen Haaren, bunten Haaren, Piercings, Pazifismus, lauter Musik? Die Realität hat die Jugend eingeholt, die MTV-Generation waren unsere Eltern und die Jugend ohne Zukunft hat Enkel und freut sich auf den Ruhestand im Eigenheim.
Der Regenwald lebt immernoch, das Ozonloch hat sich wieder geschlossen, die Elefanten wandeln auch noch durch die Savanne (das waren in den 90er Jahren die üblichen Panikbilder, die man den Kindern eintrichterte…).
Es gab keinen nuklearen Winter, keine Kulturrevolution, keinen Zusammenbruch der Zivilisation.

Wir können soviel machen wie noch nie zuvor in der Geschichte, selbst dem größten Deppen eröffnen sich nie zuvor bekannte Möglichkeiten.

Jeder, der sich als Punker, Metaler, Goth, Hippie oder sonstwas fühlt ist ein Dinosaurier. Hoffnungslos in der Vergangenheit gefangen wird gegen längst ausgestorbene Feindbilder zu Felde gezogen und man verteufelt die rückständige Gesellschaft während es bereits legal ist, als schwules Paar zu heiraten und als Geschlecht “unentschlossen” im Pass stehen zu haben.

Die Normen wurden erodiert, die Grenzen sind gefallen. Wir verhalten uns wie der Hund, der dem Auto hinterherjagt – auf einmal befinden wir uns auf einem Schrottplatz und wissen nicht, was wir eigentlich wollten. Wir leben in der Utopie, von der wir immer geträumt haben, aber entsetzt stellen wir fest, dass wir keinen Lebenssinn hatten ausser dem hoffen auf die Zukunft.

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