Seid gefälligst mitleidig!

Jeder durchlebt mal harte Zeiten. Klar, warum auch nicht, so ist das Leben.
ABER wenn man Mitleid einfordert, hat man es nicht verdient. Wenn Anteilnahme zur Selbstverständlichkeit wird, verliert sie ihren Wert.
Ich kann mich nicht hinstellen und sagen: “Mir geht es schlecht – kümmert euch um mich!” und genausowenig kann ich meinen Mitmenschen Gefühlslosigkeit vorwerfen, wenn sie von sich aus keine Anteilnahme zeigen.
Zum Einen kann niemand Gedanken lesen – man kann bis zu einem gewissen Grade mitfühlen, das nennt man Empathie, aber auch diese Fähigkeit ist nicht bei jedem gleich ausgeprägt. Keiner ist dafür verantwortlich, wie man sich fühlt. Die Mitmenschen können einem helfen, sich besser zu fühlen, aber sie sind weder dazu verpflichtet noch sind sie unbedingt notwendig.
Zum Anderen ist niemand ausser Einem selber in der Lage, mit seinen persönlichen Problemen fertig zu werden. Natürlich können Andere helfen und es ist auch für beide Seiten positiv, wenn dies passiert. Aber wenn Unterstützung und Anteilnahme zur Pflicht verkommt, dann hilft man keinem – weder sich noch seinen Mitmenschen.
Wenn man sich darauf verlässt, dass Einem geholfen wird verliert man die Fähigkeit der emotionalen Selbstständigkeit. Man begibt sich in die Gewalt Dritter.
Wird Mitleid zur Pflicht, gibt es keinen positiven Anreiz sich um seine Mitmenschen zu kümmern. Das Zwischenmenschliche verkommt zur lästigen Aufgabe der man nurnoch nachkommt, wenn sie Einem aufgezwungen wird.

Einigen Leuten geht es schlecht, weil sie ihren Freunden helfen. Sie fühlen mit, sie können die Fehlentscheidungen nicht nachvollziehen. Solchen Menschen fehlt irgendwann die Kraft weiterzumachen. Kann man es ihnen dann übelnehmen, wenn sie Einen nicht unterstützen? Irgendwann hat jeder seine Grenzen erreicht und auch helfen kostet Kraft – das sollte man nicht vergessen.

Wenn es euch schlecht geht: Seit offen, seid ehrlich. Ihr helft weder euch noch Anderen, wenn ihr ausweicht oder abweisend reagiert.
Aber genausowenig drängt euch auf. Zur Anteilnahme, zum Mitleid darf man nicht gezwungen werden.

Wenn ihr Anderen helfen wollt: Tut es nicht, nur weil es von euch erwartet wird. Nehmt diese Aufgabe nur auf euch, wenn ihr auch willens seid euch einzufühlen.

Empathie ist ein zweischneidiges Schwert. Ich kann mich nicht bemitleiden lassen ohne meinem Helfer etwas bestätigendes zurückzugeben. Sonst hat der Andere einfach keine Lust mehr, weil er das Gefühl hat gegen eine Wand zu reden.

Es grassierten mal wieder Kettenbriefe, die Anteilnahme und Mitleid forderten und jeden, der dem nicht fahnenschwenkend oder katzbuckelnd nachkam als emotionslos oder egoistisch bezeichneten…

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