Holster aus gekochten Leder (“cuir bouilli”, hardened leather)

Heute mal keine Gemeckere über Politik sondern etwas produktives aus der Bastelecke: cuir bouilli!
Grob übersetzt aus dem französischen bedeutet das “gekochtes Leder” und stammt aus dem europäischen Hochmittelalter, wo es vor allem im 14. Jahrhundert für Arm- und Beinschienen, oft mit Metallverstärkung, verwendet wurde, bis es durch Plattenteile ersetzt wurde. Danach fand es eigtl. nur noch in Turnierrüstungen Verwendung.

Das Prinzip ist denkbar einfach: vegetabil gegerbtes Leder wird gewässert und dann in kochendes (oder mind. 80°C heißes) Wasser getaucht wodurch die Kollagene im Leder denaturieren. Das Leder zieht sich dadurch zusammen (gewinnt aber etwas an Stärke) und härtet aus.
Allerdings geht dieser Prozess sehr schnell vonstatten: Nach 20s im heißen Wasser kann das Leder bereits um ein Drittel geschrumpft sein – ist dann allerdings im ausgehärteten Zustand durchaus formfest und “hart wie Holz”.
Nimmt man das Lederstück aus dem Wasser, verhält es sich für einige Sekunden wie Gummi bevor es über einen Zeitraum von 2-3 Minuten die Elastizität verliert, erst plastisch wird und zum Schluss hart (je nach Dauer des kochens). Es muss also schnell gehen und man kann sich durchaus die Hände verbrühen – was einem natürlich nichts ausmacht, mann ist ja ne harte Sau.
Das elastische, heiße und nasse Lederstück wird jetzt in die gewünschte Form gebracht und bis zum aushärten in dieser Form gehalten – in meinen Fall habe ich das Stück einfach auf die Pistole gelegt und die Konturen (Abzugsbügel, Sicherungshebel, etc.) eingedrückt, die der Waffe später im Holster den Halt geben.
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Die so hervorgerufene Lederform ist dauerhaft und hart, sodass die Pistole auch ohne Druckknopfsicherung (welche noch folgt) im Holster hält – aber elastisch genug, dass sich die Smith & Wesson schnell und ohne zu haken ziehen lässt.
Das “Bodenstück” des Holsters wurde nur halb so lange im heißen Wasser gelassen und ist deutlich weicher als die obere Schale aber immernoch um ein Vielfaches härter als das Ausgangsmaterial.

Ein Magazinholster wurde auf die gleiche Weise gefertigt aber ist entweder aufgrund von Lederfehlern oder von zu später Formgebung (als die Aushärtung zu weit fortgeschritten war) nicht so hart wie das Pistolenholster.
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Die Teile wurden mithilfe von Löchern, welche nach dem austrocknen gebohrt wurden, zusammengenäht – so spart man sich die Mühe eine Ledernadel durch das harte Leder zu drücken.

Worauf man achten sollte: dickeres Leder lässt sich besser härten als dünnes Leder (die verwendeten Stücke waren 2-2,5mm stark, dünner sollte es nicht sein) und wenn man das Leder zu lange im kochenden Wasser lässt wird das Endprodukt brüchig.

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Zum Schluss noch ein Farbvergleich zwischen dem Ausgangsmaterial und dem Endprodukt – man sieht, dass durch das härten das Leder dunkler wird.

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